Bierbraukunst in der Antike

Hunnen

Ein Team von Archäologen der Universität Yale hat außerhalb Kairos eine 4.500 Jahre alte Bäckerei und Brauerei ausgegraben. Sie glauben, dass dieses Gebäude Bestandteil einer ganzen Stadt war, in der Pyramiden-Arbeiter von der Hochebene von Gizeh lebten. Außer Steinkrügen und Getreidelagern entdeckten sie Steintafeln mit Hieroglyphen.

Eine dieser Tafeln enthält eine Beschreibung des Brauprozesses und eine Lobeshymne an die sumerische Bier-Göttin. Diese "Hymne für Ninkasi" wird nicht nur von Geschichtsstudenten gelesen, sondern wird in der letzten Zeit auch immer mehr von Brauern, die etwas über die Geschichte des Bieres erfahren wollen.

Im 2. Jahrtausend vor Christus zerfällt das sumerische Reich und die Babylonier treten auf den Plan. Sie werden das herrschende Kulturvolk im Zweistromland.
Ihre Kultur baute auf der sumerischen auf, also beherrschten sie auch das Bierbrauen. Es ist uns heute bekannt, daß die Babylonier es bereits verstanden, 20 verschiedene Biersorten zu brauen. Davon sollen 8 aus reinem Emmer (antike Getreidesorte), weitere 8 aus reiner Gerste und 4 aus einem Getreidegemisch gebraut worden sein. Das Bier jener Zeit war trüb und ungefiltert. Man benutzte einen Vorläufer des Strohhalms, ein dünnes Röhrchen, um nicht die Rückstände der Bierzubereitung in den Mund zu bekommen, da diese recht bitter waren. Lagerbier wurde sogar bis in das 1000 km entfernte Ägypten exportiert.

Hammurabi, ein bedeutender babylonischer König und Reichsgründer, erließ die älteste Gesetzessammlung. In dieser wurde unter anderem ein Gesetz gefunden, daß der Bevölkerung Babyloniens eine tägliche Ration Bier zusicherte. Die Biermenge war abhängig vom sozialen Stand des Einzelnen. So erhielten zum Beispiel normale Arbeiter zwei Liter Bier, Beamte erhielten drei Liter und Verwalter und Oberpriester sogar 5 Liter Bier täglich. Zu jener Zeit wurde Bier nicht verkauft, sondern ausschließlich gegen Gerste getauscht. Da das Bierbrauen zu den häuslichen Tugenden gehörte, war es Frauensache. König Hammurabi ließ eine Schankwirtin ertränken, weil Sie sich in barer Münze bezahlen ließ. Ebenso wurde verfahren, wenn minderwertiges Bier in den Ausschank gelangte. Man nahm es also damals schon ziemlich genau. Man könnte sagen, dass Brauen eine bierernste Sache war.

1911 fand man bei Ausgrabungen in Alzey in einem römischen Brunnen einen steinernen Krug. Chemische Analysen der darin enthalten bräunlichen Substanz ergaben, das es sich hierbei um Maische handelt. Es wird geschätzt, das diese Maische über 1.600 Jahre alt ist.

Ägypter, bald die Nummer eins im nahen Osten, führten das Bierbrauen fort, welches sie sich wahrscheinlich schon zu Zeiten der Sumerer abgeguckt hatten.
Sie benutzten teilweise ungebackenen Brotteig zur Bierherstellung. Noch heute stellen Bauern am Nil, die Fellachen, ihr Bier auf diese Weise her. Die Ägypter gaben dem Sud Datteln, Anis, Safran oder Honig hinzu, damit das Bier schmackhafter wurde. Welche Bedeutung das Bierbrauen auch im antiken Ägypten hatte, läßt sich an der Tatsache erkennen, dass die ägyptischen Schriftgelehrten ein eigenes Schriftzeichen für Bier einführten. Ein Hinweis auf die Bedeutung des Bieres ist dabei, daß das Zeichen für Mahlzeit aus den Zeichen für Brot und Bier zusammengesetzt war.


Quelle: BIER FÜR DUMMIES dt. Ausgabe D.Kann, H. Latz-Weber und G.Mühlwitz
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Es spricht einiges dafür, dass Bier an verschiedenen Orten "erfunden" wurde. Die unterschiedlichen Zutaten in den verschiedenen Kulturkreisen sprechen deuten es an.
So gibt es in Südostasien seit jeher Reisbier, in Afrika Hirsebier und die Indianer Mittelamerikas brauten Bier aus Mais, lange bevor ein gewisser Columbus das Licht der Welt erblickte. Auch die alten Germanen tranken ihr eigenes Bier. In bis zu 3500 Jahre alten keltischen und germanischen Gräbern wurden Gefäße gefunden, in welchen die Archäologen Reste von Bier nachweisen konnten.

Während die griechische Kultur aufblühte und wieder versank, lebte man in Mitteleuropa noch recht "unzivilisiert", in der Bierkultur aber überlegen, denn auch das Bier der Germanen war ein Göttertrank, wie wir aus der Sage von Thor und Tyr erfahren haben, die einem Riesen einen gewaltigen Braukessel klauten, damit Götter und Helden für immer ihren Durst daraus löschen konnten. Leider hat die Sage nicht überliefert, wo der Braukessel geblieben ist.

Griechen

Kurz zurück zur griechischen Kultur und Hippokrates, der Bier in seinen Schriften als "Gerstensud" erwähnt und seine heilende Wirkung beschreibt, szB. bei Fieber und Schlaflosigkeit. Als Heilmittel war Bier bei den Griechen und auch den Römern beliebt, als Getränk wohl weniger. Die Römer sollten mit dem Bier jedoch noch Bekanntschaft machen, genauer genommen mit den Konsumenten von selbigem. Für die Römer, die fast nur Wein tranken, war Bier das abscheuliche Getränk der Barbaren. Tacitus, der als erster einen ausführlichen Bericht über die Germanen verfaßte, schrieb: Als Getränk haben die Germanen ein schauerliches Gebräu, aus Gerste oder Weizen gegoren, ein Gebräu, welches mit Wein eine sehr entfernte Ähnlichkeit hat.

Das Bier in der damaligen Zeit war kaum haltbar, trüb und schäumte so gut wie überhaupt nicht. Einige Jahrhunderte nach Christi Geburt war Bier in Deutsch-land eine gängige Handelsware. Belegt wird dies durch den Fund in der Nähe von Trier. Bei den Germanen galt das Bier nicht nur als Götteropfer, sondern wurde, wie bereits bei den Ägyptern, auch zum eigenen Verzehr gebraut. Es spielte in ihrem Leben eine wichtige Rolle. So sind in der finnischen Volksdichtung dem Bier zum Beispiel 400 (!!!) Verse gewidmet - für die Erschaffung der Welt reichten hingegen 200 Verse. Nach der Edda, dem großen nordischen Epos, war der Wein den Göttern vorbehalten, das Bier gehörte jedoch den Sterblichen und Met den Bewohnern des Totenreiches. Brotbacken und das Bierbrauen gehörten in den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung eindeutig zu den Aufgaben der Frau.

Ave Caesar

Julius Caesar fand, dass Bier ein nahrhaftes und kräftiges Getränk sei. So verwundert es nicht, daß er seine Truppen mit einer ausreichenden Menge Bier versorgte.
Als Caesar den Fluß Rubicon, im nördlichen Italien, überschritt, um seinen Siegeszug quer durch Europa anzutreten, war demnach eine Menge Bier im Spiel.
Es ist auch bekannt, daß Caesar seinen Gästen Bier in goldenen Pokalen servierte. Der Untergang des römischen Weltreichs bedeutete nicht den Untergang des Bieres - im Gegenteil - Bier war inzwischen in ganz Europa etabliert.

So wurde während der 350 - jährigen Besatzung von Britannien, in denen die schon legendären römischen Straßen angelegt worden sind, auch eine ausreichende Menge von Tavernen, geschaffen, die, am Rand dieser Straßen gelegen, Bier verkauften - antike Autobahnraststätten.